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Bonsaimachos

Werbung (Anmerkung siehe unten im Text)

 

ELAC Miracord 60 Test

Warum der Bonsaimacho so selten Plattenspieler testet? Das liegt am Alzheimer. Also nicht an meinem, an dem der Entwickler. Wenn ich die Masse an neuen Schallplattenspielern nur ansehe, komm ich von der Palme selbst kaum wieder runter, auf die mich der reine Anblick bringt. Da braucht Ihr gar nicht zu lästern, von wegen zu alt, zum Bäume-Besteigen (vergesst es, da kommt kein Witz nach) und so. Nein, ich kann kotzen, wenn ich wieder einen Plattenspieler sehe, dessen Entwickler keine Ahnung mehr haben, dass so Geräte früher mal eine Endabschaltung hatten, die am Plattenende zumindest den Tonarm angehoben und den Motor gestoppt hat. Hams beim Miracord 60 auch nicht mehr gewusst.

Eher exotischer Aussetzer, den ich als alter Supra Kabel Jünger natürlich angemessen zu feiern weiß, bei ELAC haben sie auch das Anschlusskabel zum Verstärker rüber vergessen. Gut bevor da wieder so eine dürre Trauerstrippe dranhängt, die nur die Holzohren feiern, die keinerlei Kabelklang akzeptieren, weil deren Hörgerät auf den Frequenzen eh streikt (uups, bewegen wir uns heute auf HiFi-Forenniveau?), ist es doch konsequenter, den eher audiophil veranlagten Menschen, die sich einen 1.000.- Euro-Plattenspieler leisten, diese Auswahl selbst zu überlassen. Das macht ELAC auch beim Tonabnehmer, der ist auch nicht dabei. Erwartet uns also so ne Art Plattenspielerrohbau? Schaun wir mal:

ELAC Miracord 60 mit Abdeckung 

An sich recht schick.

Was kann er denn nun, der ELAC Miracord 60?

Zunächst mal was, was man nicht sieht. Ich hab den nämlich nur getestet, weil ELAC mir versichert hat, der habe eine Höhenverstellung für den Tonarm. Auch so ein altmodischer Kram, der bei der restlichen Miracord Serie in Vergessenheit geraten ist, weshalb ich die nicht verkaufe. Was bringt nämlich so eine Höhenverstelllung? Flexibilität bei der Auswahl des Tonabnehmersystems. Isses höher, kann ich trotzdem den Tonarm parallel zur Plattenoberfläche justieren, muss also nicht bergauf oder bergab abtasten, was bekanntlich nicht soo die tolle Idee ist.

 ELAC Miracord 60 Tonarmlager

Zudem kann er? Gesehen? Der hat eine Abdeckhaube - ohne Aufpreis. Wahnsinn! Bevor jetzt aber jemand auf die Idee kommen könnte, bei der Entwicklung sei über alle Details ausgiebig gegrübelt worden, kann ich Euch beruhigen. Da ist eine Anleitung dabei, mit der kriegt Ihr den Miracord 60 eventuell zum Laufen, wenn ihn Euch ein Händler vormontiert hat. Ansonsten ist es besser, dies ist nicht Euer erster Plattenspieler, schlau werdet ihr daraus jedenfalls nicht. Da steht nicht mal, dass man so einen Tonabnehmer überhaupt an die richtige Stelle montieren muss, geschweige denn, wie. Die Anleitung ist echt erbärmlich. Evtl. sollte ich doch davon Abstand nehmen, Plattenspieler zu reviewen, wie das Neudeutsch so schön heißt, da reg ich mich immer dermaßen auf... Egal, der kann auch was:

ELAC Miracord 60 Tonarm

Todschicker Carbontonarm mit separaten Lagern für die vertikale und die horizontale Achse, dazu eine abnehmbare Headshell, bei der man sich zumindest um die richtige Lage des Tonabnehmers zur Plattenoberfläche keine Gedanken machen muss. Mit einer entsprechenden Schablone den Abnehmer montiert und los geht´s. Wenn Ihr Zugriff auf ein Supra Phonokabel habt und einen passenden Phonovorverstärker im oder beim Verstärker. Einen Hochpegelausgang hat der Miracord 60 nämlich nicht. Den braucht es auch nicht, aus meiner Sicht, sind doch viele der serienmäßig verbauten Vorverstärkungen für beachtliche Klangeinbußen verantwortlich, weil da mal wieder ein BWLer mit Schlitz am Rücken, also so ne Art konzerneigenes Sparschwein, billigste Teile aus Fernost "spendiert" hat. Da hat ELAC mal auf die Formel: Sauberer Vorverstärker - sauberer Klang gesetzt und dessen Auswahl den Kunden überlassen. Wir erwarten also Großes vom Antrieb.

Die mechanischen Qualitäten des Miracord 60

 ELAC Miracord 60 offen

Wir sehen, wir sehen nichts - ist nämlich ein Alublöbbel drüber, aus dem nur der Riemen rausschaut. Den Pulley und den Motor sieht man im Betrieb nicht. Dabei leisten die wirklich gute Arbeit. Der Motor ist sehr gleichlaufstark und der Riemenantrieb hält auch die kleinen Motorvibrationen, die auftreten könnten noch vom Plattenteller fern. Der Plattenteller selber ist sauber schwer und solide gearbeitet, Holz und Lack des Miracord 60 sind für die Preisklasse wirklich sehr gut. Als Geschwindigkeiten stehen 33 und 45 RPM zur Verfügung, das sollte reichen. Von Hand abschalten kann man übrigens schon, wenn man den Stellregler auf Null dreht. Wer hätte das gedacht? Ganz kleiner Tipp am Rande - ich hab auch zuerst nach dem Antriebsgummi gesucht. Der fehlt nicht etwa im Zubehör, der ist werksseitig bereits um den Plattenteller gelegt. Wenn man´s weiß, logisch.

Verharren wir noch ein wenig beim Antrieb. Da wird ein Gleichstrommotor eingesetzt, das heißt, er orientiert sich für den Gleichlauf nicht am Netzsinus, der, wie Ihr, die Ihr selbstverständlich alle meine Artikel gelesen habt, (hüstel, ohne Corona) nicht der Zuverlässigste ist. Da muss zwar ein Haufen Elektronik für verbaut werden, damit der Motor ruhig und gleichmäßig anschiebt. Das Ergebnis ist aber im Falle des Miracord 60 ein tatsächlich stabiler Gleichlauf mit geringsten Abweichungen von den Sollvorgaben. Stark und ruhig ist die Voraussetzung für starken, ruhigen Klang. Heut hat er´s wieder mit der Logik. Könnt Ihr probieren, wenn Ihr den Plattendreher mit dem Finger ein wenig einbremst, was man natürlich nie machen sollte, dreht der einfach ruhig wieder hoch auf Solldrehzahl und das war´s. So musses sein. Beim Auto würde man sagen, duchzugsstark.

Die klanglichen Meriten des Miracord 60

Heute parliert er aber wieder ausländisch, der Bonsaimacho. Hab ich in irgend so einem Schundheft gelesen, dass das intellektuell und damit glaubhaft wirkt. Macht Euch also auf was gefasst. Zu den lobenswerten klanglichen Leistungen des Miracord 60 also. Mei, da hatte ich gleich wieder Puls. ELAC wollte mich natürlich von dem ersten Plattenspieler, den ich von Ihnen testen wollte überzeugen und hat mir freundlicherweise ein, sagen wir mal weitestgehend vormontiertes Modell geschickt. Und was ist dran? Meine bevorzugten Billigtonabnehmer von Audio Technica. Freundlich ausgedrückt, nicht gerade das, was mir zuerst eingefallen wäre, da draufzuschrauben, aber weil´s billig hergeht....

ELAC Miracord 60 Headshell

Also ich will jetzt echt nicht Audio Technica schlecht machen, die bauen absolut feine Tonabnehmer, nur halt nicht die, die ELAC hartnäckig montiert. Ich hab heute von einem Kunden erfahren, dass es sogar Menschen gibt, die einen AT 95 Tonabnehmer tunen. Sorry, aber da setzt´s bei mir aus. Bei solchen Billigheimern sind die Fertigungstoleranzen so hoch, dass du vor dem Tuning schon Schwierigkeiten hast, überhaupt mehrere mit korrekt justierter Nadel zu bekommen. Das schaut in Audio Technicas VM-Serie schon anders aus. Da kriegt man ein VM 95 SH für etwa 200.- Euro, das wirklich was kann. Wer es etwas günstiger haben möchte, ist auch mit folgenden Abnehmern gut bedient: Goldring E1, E2 und E3, Grado Black, Green, Blue oder dem noch deutlich teureren Hana EH/EL. Der Miracord dankt  bessere Abtaster noch lange mit Wohlklang, selbst in Bereiche hinein, wo man kaum noch zu einem 1.000.- Euro Laufwerk greifen wollte. Jedenfalls finde ich, dass der Miracord 60 eher zu den vom Grundklang her wärmeren bis leicht basslastigen Plattendrehern zählt, dessen auffälligste Qualität aber die Dynamik, also der Unterschied zwischen der leiseten und lautesten Stelle in einem Musikstück ist. Da zeichnet er sowohl fein- als auch grobdynamisch allerfeinst. Das macht Spaß und kommt dem immer wieder gerne zitierten "Massengeschmack" (an sich was Gutes, weil Konsens) sehr entgegen. Eventuell nicht das ideale Arbeitsgerät für den asketisch lebenden Musikanalysten, für alle, die gerne mit unserem Spaßminister Audi Scheuer auf der Busspur Elektroroller fahren aber ein echtes Gaudinockerl.

Wertung des ELAC Miracord 60 Plattenspielers

Schaut man mal ein wenig auf den aktuellen Plattenspielermarkt im Ganzen, ist der Miracord 60 in seinem Preissegment sogar einer der deutlich besseren Plattenspieler. Abgesehen von unüberlegten technischen Kapriolen:

ELAC Miracord 60 Anschlussfelder

Wer, der noch nie ein Rack gesehen hat, kommt denn auf die Idee, den Einschalter nach hinten zu verlegen? Und dem Rotstift geschuldeten Scherzartikeln:

ELAC Miracord 60 Netzteil

Himmel, Schimmel, nehmt´s halt einfach Geld von den Leuten oder lasst das auch noch weg. Ich kann hier kein Netzteil erkennen. Mann ich krieg schon wieder Puls. Ist der Miracord 60 ein erfreulich tauglicher Rohbau eines Plattenspielers. Mechanisch und klanglich deutlich näher am Miracord 90 als am Einstiegsplayer Miracord 70, also absolut konkurrenzfähig, wenn man bedenkt, dass man unter der Anleitung eines kompetenten Händlers - und da könnt Ihr von mit gerne Tipps kriegen, wer das ist, mir bleibt bitte fern mit Plattenspielern, für so 1.600.- bis 2.000.- Euro aus dem Miracord 60 ein echtes Geschoss machen kann. Selbst den Tonarmlift könnte man nachrüsten. Wer also ein vernünftiges Abnehmersystem, ein Netzteil, ein Anschlusskabel, evtl. einen Tonarmlift und die nötige Ahnung, das alles auch fachgerecht zu montieren mitbringt, kann mit dem ELAC Miracord 60 einen wirklich gut verarbeiteten Plattenspieler erwerben. Für die 1.000.- Euro Klasse kann das Laufwerk, die Aufhängung und der Tonarm wirklich was. Über den Rest, lasst mich den Mantel des Schweigens legen. Ich vertrete nämlich die Meinung, Hersteller sollten ihre Produkte sauber durchdenken, ein wenig auf den Markt schauen und vor allem so gut machen, dass die Leute gerne Geld dafür ausgeben. Ich seh ein, dass ELAC ungern ein Gerät ausliefert, das erst mal gar nicht funktioniert und das Netzteil auch noch weglässt. Im Falle des Miracord 60 wäre das aber auch noch konsequent gewesen. Der kostet nachher eh fast das Doppelte, wenn er zeigen soll, was er wirklich kann. Dann stimmt aber auch das Gesamtpaket und der Gegenwert. Ich bin sicher, dafür geben die Leute dann auch gerne Geld aus. So eine kastrierte Version eines Plattenspielers finde ich ein wenig inkonsequent. Kann man beim Miracord 90 noch sagen, schmeißt das Abnehmersystem weg und baut was standesgemäßes drauf, was wieder wegen der fehlenden Höhenverstellung eingeschränkt ist, finde ich sparen beim Netzteil nur peinlich. Dann kostet er eben 1.099.- Euro, die er dann auch wert ist, hat aber ein gescheites Netzteil.

Wie ein Artikel ohne Höhepunkt?

Üblicherweise würde ich Euch ja jetzt anbieten, den Miracord 60 bei mir zu kaufen, weil ich ihn trotz der zahlreichen Einschränkungen gut finde. Weil ich aber nicht umsonst Werbung damit mache, der faulste Händler Deutschlands zu sein, der seine Produkte ausschließlich so einkauft, dass sie auch in der Lage sind, sich selber zu verkaufen, ist mir das zu aufwändig, bin ich doch kein ausgewiesener Plattenspielerspezialist, der immer diverse Abnehmersysteme, Netzteile... einstecken hat, um aus dem Rohbau ne Glitzerhütte zu machen. Ich geb Euch aber gerne Tipps, wer Euch da helfen kann. Tel.: 08124 528225

Bling, bling!

Als hätten Sie es gehört - das neue Miracord Phonokabel 1.8 m im Test

Phonokabel Miracord 1,8m

Nie ohne Verhüterli! Mann, Mann, Mann, wenn das mal ohne Kinderarbeit abgegangen ist. Jedem einzelnen Cinchstecker haben die so ein Gewebeband übergezogen. Ich hab mal zum Spaß versucht, ein solches Teil wieder auf die Cinchstecker drauf zu bringen - kein Spaß. Kaum, dass ich einen Miracord 60 bei mir rumstehen habe, taucht, wie aus dem Nichts, ein Miracord Phonokabel in 1,8m Länge bei mir auf. Man möchte kaum an Zufall glauben. Testen wir das also gleich mit.

Erster Eindruck - zumindest von der Show her können sie absolut mithalten. Das Kabel hat eine Laufrichtung. Seh schon, erste Elektrokundige kringeln sich schon wieder am Boden, weil die Elektronen zu blöd sein sollen, anders herum durch´s Kabel zu kommen. Aber die HiFidelen freut´s.

Phonokabel Miracord Laufrichtung

99.- Euro UVP, passen, die Anmutung (heut drückt er sich wieder geschwollen aus) ist gut. Die verwendeten Cinchstecker schwer und solide, das Erdungskabel erfreulich gut dimensioniert. Durch das übergestülpte Gewebeband kommen die Cinchstecker sogar ohne Kratzer an. Alles fein bis dahin.

Klangtest Miracord Phonokabel

Mei, da war´s eigentlich gut. Bisschen bassiger als das Suprakabel aber auch sehr dynamisch, peppig. Passt zum Miracord 60 und ist günstig für das, was es kann. In meiner Kombi in den Höhen ohne Grauschleier, angenehme Mitten, guten Drive im Bass, passt ois. Mach ma lieber noch ein Foto, weil ich die Verhüterlis so geil finde.

Phonokabel Miracord Cinchstecker

So ein wenig hört man die Nachtigall da schon schlappen, wenn dem Miracord 60 erst kein Kabel beiliegt und ELAC dann mit nur wenig Verzögerung ein eigenes Phonokabel rausbringt. Aber was soll´s so lange das Teil konkurrenzfähig ist und das würde ich ihm bescheinigen, ist alles gut. Find ich sogar sinnvoll, weil man den Miracord 60 ja tatsächlich mit wirklich teuren Tonabnehmern bestücken kann, ohne es zu bereuen. Da würde man dann zu einem etwas wertigeren Phonokabel greifen, aber für Systeme bis, so grob 200.- Euro, reicht das Gebotene allemal. Vorschlag - vielleicht noch ein separates Netzteil anbieten?

Möglicherweise wollten die bei ELAC auch nur einen krönenden Abschluss dieses Artikels, das Phonokabel könnt Ihr natürlich bei mir kaufen.

Das Miracord Phonokabel 1.8 m beim Bonsaimacho kaufen

Puh, hat sich´s am Ende doch noch gelohnt, oben Werbung drüber zu schreiben.


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