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Bonsaimachos

Werbung (Anmerkung siehe unten im Text)

 

ELAC Vela 409.2 Test und Kritik

Wie sprach doch mein lustiger Arbeitskollege, als er verträumt einen Softporno durchblätterte: "Wennst des sigst (siehst), merkst erst amal was´d für a Glump dahoam hast." Ihr merkt schon, ich hab lang keine mehr rausgehauen - Kritik meine ich. Außerdem möchte ich anmerken, dass ich als strenger Verfechter der "political correctness" natürlich nur unter Vorbehalt gelacht habe. Was ich eigentlich sagen möchte: Bei 6.380.- Euronen für das Paar Lautsprecher scheiden sich die Geister. Für Otto-Normalhörer (gibt´s den wirklich?) muss ein Lautsprecher schon die absolute Waffe sein, damit er/sie (heißt die dann Ottine oder Ottilie-Normalhörerin?) überhaupt darüber nachdenkt, die Haushaltskasse so nachhaltig zu plündern. High-Ender hingegen - Hat jetzt da wer was von den größten Hirschen in der HiFi-Szene gesagt? - wollen ja auch immer ein bisschen leiden und fühlen sich in diesen Preisregionen noch deutlich zu wenig am Geldbeutel gekitzelt. Folglich neigen sie dazu, diesen Preisbereich zu ignorieren. Somit ist die Vela 409.2 von ELAC mal ein ganz gefährlicher Lautsprecher für Händler, weil das Publikum dafür wirklich einzeln an den Haaren herbei gezogen werden muss. Erschwerend kommt hinzu, dass das Publikum in meinem Alter häufig sehr kurzes, schütteres oder gar kein Haar hat, also ein wenig der Ansatz fehlt. Lassen wir das.

Erster Eindruck von der Vela 409.2

Steht auf Bondage - kommt fest verstrapst auf einer Europalette daher, mit der zusammen die Damen satte 106 kg auf die Waage bringen. Wie sagt Mann? "Drei Dinge braucht der Mann : A Bier, a Blasmusi und wahnsinnig fette Wei..." Heut isser aber wieder drauf, der Bonsaimacho. Einzeln und ohne Palette reduziert sich das Gewicht auf immer noch stattliche 43 kg pro Karton. (Habt ihr gesehen, wie ich diesen leichten Anflug von Sexismus locker weggetextet habe? Einfach sachlich weiter im Text, als wäre nichts gewesen - Wahnsinn.) Irgendwie komm ich heute nicht zum Punkt. Jedenfalls seid gewarnt, strafft die Bandscheiben, die Teile sind deutlich schwerer, als sie aussehen:

ELAC Vela 409.2 gesamt

Super cool, die Schneereste im Garten und diese sensationellen Spiegelungen, die wie kleine Gletscher aussehen, was für ein Foto. Je länger ich den Trumpel aus Amerika imitiere, desto mehr versteh ich ihn - lobt einen ja sonst keiner. Schaut jedenfalls edel aus, kommt trotzdem als erwachsener Lautsprecher rüber und hat inzwischen auf ca. 25 Quadratmetern eine neue Heimat gefunden, in die sie sich optisch und akustisch angenehm unauffällig einpasst. Aber habt Ihr´s gesehen? Die Schlampe kommt nackt daher. Bekleidung, sprich Lautsprechergitter sind Sonderzubehör. Mal abgesehen davon, dass die nichts schöner machen, sind 98.- Euro für vier Feigenblätter hart am Sündenfall, liebe Freunde von ELAC. Aber natürlich erscheint eure Eva dadurch nur noch reiner, puristisch geradezu, ihr Sparschweinchen.

Was bietet die ELAC Vela 409.2?

Gegenüber der kleinen Schwester Vela 407.2 wird hier schweres Geschütz aufgefahren. Nur mal zur Orientierung, der Mitteltöner der Vela 409.2 hat mit 15 cm den selben Durchmesser, wie der Bass der Vela 407.2. Die Basschassis sind 18er, die in einer dreieinhalb Wege Schaltung angesteuert werden. Das heißt, für einen harmonischeren Übergang, erhält der Mitteltöner noch ein wenig Unterstützung von einem der Basschassis.

ELAC Vela 409.2 Chassis

Die Materialien sind durch die Bank edel und aus den Vorserien bekannt. Auch wenn die Rundungen dazu einladen - Streicheln ist keine gute Idee, die Fingertapper sieht man und das eloxierte, ultra gebürstete Alu oben auf dem Lautsprecher ist äußerst kratzempfindlich. Also nur mit den Äugelein gucken, nicht hinlangen und wenn, dann mit Handschuhen.

Im Inneren geht es nicht ganz so delikat zu, da verträgt die Vela 409 mal sauber was. 200 Watt Sinus, 280 Watt Musikspitze, vernünftiger Wirkungsgrad von 89dB bei 2,83 V/m und ein Übertragungsbereich von 28 - 50.000 Hz lässt eigentlich keine Wünsche offen und den Verstärkern eine realistische Chance, die Süße zu befeuern.

Meine Damen, es tut mir im Herzen weh, aber wir müssen der Vela mal eben auf das Hinterteil blicken.

ELAC Vela 409.2 von hinten

Der Hottentotte hätte keine Freude, ist doch bekanntlich der Fettsteiß das Schönheitsmerkmal der Hottentottenfrau. Hätten Sie´s gewusst? Alles schlank und rank und im Gegensatz zur kleineren Schwester begnügt sich die 409er mit nur einem Bassreflexport im dezent gelüpften Fuß. Der Designer würde sagen, das kommt der Formensprache sehr entgegen - fesch schaut´s halt aus. Uns Techniker erregt natürlich viel mehr die Frage, was taugen die neu designten Brücken zwischen dem Hoch- und Tieftonbereich?

ELAC Vela 409.2 Lautsprecherbrücken

Die Antwort lautet, wie immer - nichts. Haut den Blödsinn raus. Wer nicht voll zuzieht hat Wackler im Hochton zu befürchten. Wer dann auf die schlaue Idee kommt, die Brücken statt wie vorgesehen zu verwenden, diese einfach in die Aussparungen für das Lautsprecherkabel zu stecken, hat zwar meistens erst mal Kontakt, verbiegt die Teile aber sauber beim Zuschrauben. Wer den Unsinn entfernt und statt dessen einfach Lautsprecherkabel rein macht, wird für den Frevel mit Wohlklang bestraft. Bi-Wiring oder Bi-Amping ist in dieser Klasse eh hilfreich, wer also kann, möge diese Möglichkeit wahrnehmen.

Die Spikes unter der (steinschweren) Bodenplatte hatte ich für das Foto weggelassen, die sind aber eine deutliche Verbesserung gegenüber den Vorgängerserien, weil sie nicht mehr anfällig auf seitliche Bewegungen sind, wie alle ELAC Spikes, die in die Plastikhalter gesteckt werden. Gute Detailarbeit.

Ach ja, ausgepackt sind die Velas mit 32,1 kg bei 1,30 Meter Körpergröße in Ordnung aber immer noch viel schwerer, als sie aussehen. Bedeutet das, dass das Design gelungen ist? Ich meine schon.

Erster Höreindruck der Vela 409.2 von ELAC

Im Anfang war ... (dramatische Pause) ... der Blick. Hey, wo steht denn hier das Klavier? Man schaut automatisch zwischen den Lautsprechern nach, so live kommt das rüber. Lebendig? Ja, definitiv. Details, alle da. Aber kein großes ABER aber immerhin harmonisch? Nicht so überwältigend wie bei den beiden kleineren Schwestern. Mag an meinem Vincent 237 MK liegen, der ja ein wenig dazu neigt, jeglicher Musik noch winzige Glanzlichterchen aufzusetzen. Mit etwas bösem Willen könnte man der Vela unterstellen, eine minimale Schärfe im Hochton zu haben. Also Ohren auf bei der Verstärkerwahl.

ELAC Vela FS 409.2 Hoch und Mitteltöner

Seht Ihr´s? Rechts oben - Blütenstaub - im Februar. Evtl. erschien mir nur deshalb der Hochtöner minimalst aggressiv.

Nächste Eskalationsstufe Hörtest = Livepegel. Da neige ich normal gar nicht so zu, aber irgendwie hat es mich nach ein paar Stunden 409er-Hören gejuckt (offenbar legt die Box das nahe). Also mal beherzt am Lautstärkeregler gedreht und an sauberen Rock eingelegt - krass. Voll der Boa-ey-Effekt das ist die eigentliche Domäne der 409er Vela. So hat Child in Time das letzte Mal 1972 geklungen, als es eingespielt wurde. Musikalisch ist es auch wurscht, ob Sie sich mehr elegischem Pink Floyd oder Slayer zugeneigt fühlen. Selbst bei Jazz oder, für depressivere Gemüter, wenn Sie sich das Mozart Requiem von der ELAC durch´s Oberschlundganglion pusten lassen, der Boa-ey-Effekt bleibt. Die livehaftige Teilnahme (heut klingelt die Wortschmiede) an der Musik, die eine Vela 409.2 vermittelt, lässt selbst eine FS 509 mit ihrem VX-Jet kurz mal ehrfürchtig schauen. Die kann das auch und ist noch besser an den Raum anpassbar aber der Abstand ist, ob des günstigeren Preises der Vela, erschreckend gering.

Was kann sie noch? Bass viel Bass, satten Bass, konturierten Bass, schnellen Bass, präzisen Bass.

ELAC Vela FS 409.2 Basschassis

Wort mit 5 s? Basschassis.

Was fehlt? Bassbrei. Heißt zu Deutsch - astreiner Bass. Stimmen? Ja, besser als die kleine Schwester? Detaillierter wegen des eigenen Mitteltöners. Da kommen schon noch Details und Nuancen an´s Licht, die eine 407er Vela sagen wir mal, verschmeichelt. Das ist ein richtig großer, erwachsen klingender Lautsprecher. Da gehst ein Stück zur Seite, wenn da wer auf die Drums haut, um Platz zu machen, für den Klang, der sich entfaltet. ABER - vergesst die Lobhudelei. Wie war das mit dem Hochton?

Zweiter Höreindruck von der 409er Vela

Isser schizophren der Bonsaimacho? Hat er 4 Ohren oder was? Ne, Vela beim Kunden aufgestellt, wie das der dienstbeflissene HiFi-Händler tun sollte. Selbwelcher Kunde hatte zwei Röhrenschätzchen aus den 90ern, deren Gegenwert am besten mit 2-3 vollen Monatsgehältern beschrieben ist, dazu einen hoch sinnvollen Power Conditioner und eine Verkabelung im oberen vernünftigen Bereich. Da hat sich die alte Weisheit bewahrheitet, dass Röhrenwatt nicht mit Transistorwatt vergleichbar sind. Die Schnuckelchen hatten, obwohl nur 50 Watt gegen meine prolligen 250 Vincent Watt antraten, die Sache mal von vorneherein im Griff. Sprich schon bei leisesten Lautstärken war ein realistischer Bass dabei. Etwas lauter stand Roger Waters vor dir und hat für dich musiziert. Wahnsinn und das auf den oben beschriebenen "halboffenen" 25 Quadratmetern. Weder optisch, noch akustisch war da irgend etwas unharmonisch. Die minimalste Schärfe im Hochton? Gab´s hier nicht. Alles easy, alles smooth und trotzdem detailreich, fetzig, springlebendig. "Es kommt auf die Chromosomen an", sagte der Genetiker zum Dreibeinigen. Will heißen?

Geeignete Verstärker für die ELAC Vela 409.2

Nein, der geht diesmal nicht. Ich weiß, ihr werdet fragen aber der R-N 803D von Yamaha mag eine freundliche Allzweckwaffe im Kindergarten sein. Hier braucht´s echtes HiFi. Sprich Stromstärke, Stromstärke und  ... nicht nochmal Stromstärke sondern einen warmen oder dezenten oder sanften Hochtonbereich des Verstärkers. Quasi Mindestanforderung sollte sein solider Ringkerntrafo, fette Kondensatoren und so weit audiophile Bauteile, dass der Hochtonbereich detailreich aber nicht nervig rüber kommt. Das reicht schon. Ich sag mal British HiFi steht da ganz hoch im Kurs, Röhrenspezialisten mögen feine Lösungen parat halten und 1.000 Euro werden kaum reichen, um der ELAC alles abzufordern, was sie kann.

Origineller Effekt an meinem Vincent ungetunt, also ohne bessere Sicherung und ohne Supra DC-Blocker im Stromweg war der Hochton ebenfalls angenehm, wie an dem Röhrenverstärker. Dafür fehlte es aber vorne und hinten an Details und Präzision, alle Instrument machten einen Schritt weg vom Mikro, kleine Details verloren sich völlig und alles nuschelte so ein wenig ineinander.

Ihr hattet Euch konkretere Tipps erwartet? Ich predige seit langem, verlass Euch auf Euer Ohr, nicht auf Tests und Theorie, die ihr "gelernt" habt. Keiner hört wie Sie. Ihnen muss die Kombi gefallen. Ich biete gerne an, die Velas zuhause zu testen. Aber glaubt bitte nicht, dass ich die Hörweisheit so mit Löffeln gefressen habe, dass ich Euch aus der Ferne sagen kann, was Euch gefällt. Hier geht´s um Nuancen im Bereich sehr guter Verstärker, die den Unterschied zwischen toll und Wahnsinn ausmachen. Wenn´s Sie nicht im Fuß juckt oder Sie spontan mitsingen möchten, ist es evtl. noch nicht die ideale Kombi, aber mit der Vela 409.2 kann man definitiv sehr viel Spaß haben.

Kleine Hinweise zur Vela 409.2

Mein Spezl Ingo aus Berlin weist darauf hin, dass für Räume bis 25 Quadratmeter nicht nur aber auch optisch die 407.2er Vela vollkommen ausreicht. Dem möchte ich ausdrücklich zustimmen außer Sie sind Techno, Elektro oder Orgelfreak. Dass die 409er bei meinem Kunden wirklich problemlos auf 25 Quadratmetern zum Stehen kam, ist primär der Tatsache geschuldet, dass hier ausreichend Platz nach hinten da war und der TV durch einen glücklich gewählten Ständer eine Linie mit der Oberkante der Velas gebildet hat. Quatsch, in Wirklichkeit war der Kunde halt so clever, vorher den TV zu messen und die Lautsprecher entsprechend harmonisch zu wählen.

Fazit zur ELAC Vela FS 409.2

Die "alte" FS 409 war schon ein extrem starker Lautsprecher, dennoch ist es Rolf Janke aus meiner Sicht gelungen, die nochmal in Details zu verbessern. Wie bei der Kritik zu den kleinen Schwestern, liegt auch hier der Hauptunterschied in einer vorher nicht da gewesenen Klarheit des Klangs gepaart mit Spielfreude und ausreichend Attacke um nicht langweilig zu klingen. Für den High-Ender kein 14-Ender aber doch ein veritabler Rivale auf dem Weg zum Platzhirsch. Wenn Rolf es jetzt noch hinkriegt, die FS 509 in ähnlich gelungener Weise zu überarbeiten, wie die 409er kann der Platzhirsch fallen. Aktuell ist der Abstand zwischen der neuen Vela FS 409.2 und der FS 509 schon so eng geworden, dass es fraglich ist, ob der Mehrpreis in dieser Höhe berechtigt ist. Wie sprach doch der Kollege mit dem Softporno auf die Vela 409.2 bezogen so wahr?

Apropos Preis und kaufen. Da gilt das alte Motto, wer ein Telefon bedienen kann, ist klar im Vorteil. Schaut auf die Startseite, da ist alles Wesentliche erklärt. Nicht so:

Telefon Fehlbedienung

Wo kaufen? Habt Ihr jetzt nicht echt gefragt, oder? Ich kenn da einen total sympathischen, kompetenten..... bei mir halt, steht ja Werbung drüber.

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