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Bonsaimachos

Werbung (Anmerkung unten im Text)

 

Hegel H 390 Test

Zu viel Wind am Kopf? Die Norweger von Hegel preisen den immerhin 6.000.- Euro teuren H 390 Vollverstärker als den "Robin Hood" in ihrem Programm. Er nimmt von den Reichen (Bauteile und Technik meinen die) und gibt den Armen (schätze, damit meinen die uns arme Schlucker) also solchen, die sich keine 10.000.- Eurönchen für den H 590, deren Spitzenmodell, leisten können. Welch noble Tat. So lasset uns denn prüfen, ob dies ein klarer Fall von Frostschaden im Oberstübchen oder noch halbwegs akzeptabler Werbesingsang ist.

Geht doch - die technische Ausstattug des Hegel H 390

Der Digitalteil des Hegel H 390

Hegel H 390 von hinten

Ich zeige ihn mal von hinten, um zu demonstrieren, wo er schon wieder vorne liegt. Hatte ich bisher stets die akzeptable aber nicht berauschende Leistung der USB-Anschlüsse von Hegel moniert, prescht der H 390 plötzlich vor: 32 bit / 384 kHz + MQA + DSD256(DoP)  kann der USB Eingang des H 390 verkraften. Geht doch! Amtlich, klangstark, konkurrenzfähig. Damit stellt er sogar noch die eh schon beeindruckenden Lichtleiteranschlüsse mit ihren 24 bit / 192 kHz + MQA + DSD64(DoP) in den Schatten (Welch Wortspiel, sind es doch Lichtleiter!). Weil das hier ja eh keiner liest, kann ich es ja verraten - damit ist der Digitalteil des H 390 sogar noch besser als der des H 590. Für den Highend-Anspruch fehlt auch der BNC Ein- und vor allem Ausgang nicht. Da können alle, die Ihre Digitalwelt noch weiter erschüttern wollen, einen separaten D/A-Wandler oder gar eine Masterclock andocken.

Kleiner Technikexkurs für Eingeweide (oder so). Was ist DoP DSD im Vergleich zu nativem DSD? Eigentlich nur ein technischer Kniff, um 1-bit digitalisierte High-Res-Dateien für Multibit-Digital-Analog-Wandler so auslesbar zu machen, dass diese verlustfrei wiedergegeben werden können. Glaubt mir, mehr wollt Ihr nicht wissen, da wird´s komplex. Wir merken uns, das Ergebnis ist unverfälschte, verlustfreie DSD-Wiedergabe.

Macht´s Sinn die Qualität und den Klang des Digitalteils zu preisen? Nö, versteht sich bei Hegel von selbst. Interessanter ist da, dass er über USB angeschlossen bei Windows, Mac OS und den gängigsten Linux Versionen als "Soundkarte" des PC erkannt wird und alle dort abgespielten Klänge wiedergibt. Egal, ob das ein Ping des Systems, ein You-Tube-Video oder Internetradio ist. Der Hegel perfektioniert den Sound auf ein Level, das mit PC-Equipment eher nicht zu erreichen ist.

Ansonsten kann man ihn über MConnect oder Bubble UPnP oder... steuern. Als Streamingdienste kann ich eigentlich nur Tidal oder Qobuz in dieser Klasse empfehlen, das kann er. Dann das leidige  Thema "Roon". Hegel mag die Nachfragen wirklich, weil sie da ja seit Ewigkeiten nicht aus dem Knick kommen. Ich hab ihnen nichts erspart und trotzdem gefragt. Also der H 590 und der H 390 sind definitiv im Lizensierungsprozess, da ist wohl dieses Jahr noch mit einem Update zu rechnen. Airplay 2 ist auf 2021 terminiert. So uns denn der heilge Hegel oder sonst irgendwer erhört.

Fazit: Hegel bezeichnet die verbaute Wandlung als "Bit perfect DAC" - noch Fragen?

Hegel H 390 analog

Hegel H 390 Analogteil

Alles beim Alten, XLR-Eingang, 2 Mal Cinch, die hegelüblich auch für Heimkino so umprogrammiert werden können, dass ein AV-Receiver bzw. Multiroomsystem die Lautstärkeregelung übernehmen kann und ein fixer plus ein variabler Ausgang. Klanglich sehr stark aber in dieser Preisklasse nichts zum Jubeln.

Spannender sind da die fetten Trafos

Hegel H 390 Trafos

mit den entsprechenden Stromspeichern für Leistung ohne Ende (echte 250 Watt an 8 Ohm je Kanal). Hegel-typisch ist die Dual Amp, Dual Power Technologie. Hier werden Vor- und Endstufe mit separaten Stromversorgungen beglückt, die Spannungs- und die Stromstärkenverstärkung werden so voneinander getrennt, dass sie sich nicht gegenseitig negativ beeinflussen. Wir merken uns nur das Ergebnis: Höhere Dynamik, weniger Verzerrungen. Außerdem wird über die Hegel-eigene Soundengine 2 in jeder Stufe der Verstärkung kontrolliert, dass keine ungewollten Verzerrungen, Einstreuungen und sonstige Störkompenenten, die nicht dem Originalsignal entsprechen, mitverstärkt werden. Diese Klarheit im Klang hört man - soviel sei schon mal verraten. Apropos hören, je nachdem, wo Ihr wohnt (Nähe Photovoltaikanlage, mit Mikrowellen zusammen...) Hegel schirmt seine Trafos nicht extra, um die Dynamik der Musik voll rüberbringen zu können. Das heißt, je nach Stromnetz geben die Trafos ein leichtes Brummen von sich. Das ist kein Defekt sondern der Suche nach dem originalen Sound geschuldet. Je größer der Verstärker (Trafo) desto wahrscheinlicher. Drum merke ich das hier an. Es stört auch nicht, wenn die Musik spielt. Wenn es wen mächtig nervt, helfen DC-Blocker. Auf die verlink ich besonders gerne, weil der Artikel so geil ist.

Der Hegel H 390 - mehr als der H 190

Hegel H 390 Lautsprecheranschluss

Boah nee, schon wieder so ein Suchbild. Seht Ihr´s? Hier wird optisch der klare Weg zum einzelnen Lautsprecherausgang betont. Klassisches Angeberfoto für Verstärker mit Doppel-Mono-Aufbau. Das, wie so vieles, unterscheidet den H 390 vom kleineren Bruder H 190. Könnt Ihr euch in etwa vorstellen, wie Breitreifen am Auto. Damit bringt Ihr die Leistung von ihm hier

Hegel H 390 Haupttrafo

auf den Boden, sprich an die Lautsprecher. 2 Verstärker (einer für links, einer für rechts) in einem Gehäuse quasi. Mit einem Dämpfungsfaktor von 4.000 sollte der H 390 das Ein- und Ausschwingverhalten Ihrer Lautsprecherchassis perfekt im Griff haben.

Ach ja, Fernbedienung hat er auch.

Hegel H 390 Fernbedienung

Das ist uns wurscht - wie klingt er denn jetzt, der Hegel H 390?

Liza Minelli hat mal so was in die Richtung gesagt, dass, wenn ein Mann möchte, dass ihm seine Frau zuhört, er sich nur mit einer anderen Frau unterhalten müsse. Was aber, wenn eine Frau möchte, dass ihr der Daueranvertraute zuhört? Reicht es, dass sie dafür mit einem anderen Mann redet oder läuft sie Gefahr, dass ihr Herzibobbele dem anderen einfach heimlich die Ablösesumme zusteckt und trotzdem nicht hinhört? Geheimnisse des Ehelebens. Warum weihe ich Euch ein? Weil es immer Alternativen gibt. Nehmt einfach auf, was ihr sagen wolltet und spielt es über den Hegel H 390 ab. Da hören immer alle hin. Weil der nämlich so hammermäßig klingt, dass es eine Freude ist.

Hegel H 390 von vorne

Bondage, ja am ehesten Bondage. Wie der die Lautsprecher an die Kette legt, ist sensationell. Da wird nicht rumsparifankerlt, da wird gemacht, was der H 390 vorgibt und zwar exakt. Und die Vorgabe ist wie? Korrekt. Jawohl! Extrem korrekt. Nicht so überhart auf den Punkt, wie bei einer Bryston Endstufe, die das Signal auch mal so kurz abhackt, dass man den Eindruck hat, die Musik steht ein wenig, nein, mit ein wenig Schmelz, recht wenig Schmelz, also an den Schmäh von so einem Wiener kommt das bei weitem nicht hin, ist aber auch nicht kalt analytisch sondern am korrrrekten Ende von musikalisch.

Was heißt das in Worten? Gehen wir mal davon aus, Sie sind Pneumologe und Pavarotti schmettert seine Lieblingsarie. War da nicht rechts unten auf den Bronchien so ein winziges Pfeiffen? Verschleppte Bronchits? Offenhörbar. Das ist so wie offensichtlich, nur akustisch. Dazu macht der Dominator sauber Druck. Da schiebt der Tief- und Tiefstbass selbst auf kleinen Böxchen plötzlich in Kaltblütermanier an. Der zaubert dir schon aus mickrigen, kleinen Standboxen eine Kathedralenorgel. Klar zu unterscheiden von der Kirchenorgel unbegüterter evangelischer Diözesansprengsel. Die gibt´s übrigens nicht, weil Diözesen den Katholiken vorbehalten sind. Apropos.

Wusstet Ihr eigentlich, dass der Zölibat im Spätmittelalter eigens zu dem Zwecke erfunden wurde, dass Pfarrer ihren Kindern nichts mehr vererben konnten? Und habt Ihr Euch jemals gefragt, warum die Kirche dabei nicht ausgestorben ist, trotz der Chorknaben und Ministranten? Oder auch wegen? Schwieriges Thema. Kommen wir zu Erfreulicherem.

Wir konstatieren also Detailfreude, Druck, Dynamik. Dazu kommt ein extrem "echter" Klang mit der Luftigkeit und der variablen Bühne der ganz großen Verstärker, ein winziger Hauch Wärme, die das Ganze "rund" macht und eine wirklich sensationelle Trennung zwischen dem Hauptgeschehen der Musik und den Nebengeräuschen. Alles ist da, alles echt, alles da, wo es sein sollte. Insgesamt schwer zu toppen.

Ich bin und war ja schon immer ein Verfechter von immenser Verstärkerpower, weil die Auswirkung selbst auf unterklassige Lautsprecher erstaunlich ist. So wohldosiert eingesetzte Gewalt, quasi kultivierte Grobheit, hört man selten. Egal, ob Trash-Metal oder Kammermusik, der Hegel H 390 bringt es auf den Punkt. Das ist feinste Klinge aber mit unwiderstehlichem Durchsetzungsvermögen. Ich bin echt gespannt, wie das der H 590 noch toppen soll, hab aber noch keinen Sponsor gefunden.

Werbung für den Hegel H 390

Gute Werbung ist immer ehrlich. Was brauch ich einen Sponsor für den H 590? Ihr kauft einfach alle, die Ihr das lest, den H 390 bei mir, dann kann ich mir noch kurz vor der Rente einen H 590 leisten. Riesen Idee. Also, stellt Euch nicht an, weiß ja keiner, wann einen das Virus dahinrafft. Da macht es doch keinen Sinn, die Zeit mit schlechtem HiFi zu vergeuden. es gilt folglich:

Den Hegel H 390 beim Bonsaimacho zu kaufen

Was ist mit Rabat? Hauptstadt von Marokko, aber über den Preis können wir reden, wenn, ja wenn Ihr meinen H 590 im Auge behaltet. Norwegen mag zwar kühl und windig sein, ist aber offenbar gut, um die Leute rein zu treiben und Verstärker bauen zu lassen. Weiter so.


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