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Bonsaimachos

Werbung (Anmerkung siehe unten im Text)

 

Atoll IN 200 Signature Vollverstärker Test

Genau so wenig, wie man glaubt, dass sich jemand wie ich für die Frauen Rechte interessiert und glaubt mir, ich bin, ob meine Humors, häufig mit der Rechten meiner Frau konfrontiert, möchte man meinen, dass ein Meister des geschliffenen Wortes rohe Kraft anziehend finden könnte. Gut, man kann jetzt einwenden, dies sei, angesichts der Geschichte mit der Rechten meiner Holden Prägung. Jedenfalls vertrete ich schon lange die These, dass im HiFi-Bereich wenig über rohe Kraft beim Verstärker geht. Denn merke: Nur eine machtvoll kontrollierte Box ist ein wohlklingender Lautsprecher. Testen wir ihn also, den kleinen Fettsack.

Erster Eindruck des Atoll IN 200 Signature Vollverstärkers

Atoll IN 200 Signature von vorne

Der ist an sich winzig und schaut voll harmlos aus. Ich hab mich aber fast auf die Fresse gelegt, als ich den ausgepackt hab. Der ist richtig schwer, was bei noch ausgeprägteren Augustinermuskeln als dem meinen, durchaus zu statischen Komplikationen führen kann. Oh lá lá, wie der Franzose sagt, da schaugst. Zwo Knöpf am Brett, das nenn ich mal schlichtes Design und das Brett demonstriert mit 8 mm Wandstärke auch gleich mal Wertigkeit. Gut, für 1.600.- Euro in der hier getesteten Rohbauversion kann man schon einiges erwarten. Dies ist aber, mehr noch als der Cambridge Audio CXA 81, ein Beispiel für mustergültigen Verstärkerbau unabhängig von der Preisklasse. Wir nähern uns dem Höhepunkt diesmal aber auf Umwegen, Ihr werdet sehen.

Der Atoll IN 200 von hinten:

Atoll IN 200 Signature von hinten

Pfft, der kann ja nichts. Ein linker, ein rechter Lautsprecheranschluss, ein harter Netzschalter und sonst nur Cinchbuchsen. Ist das zeitgemäß? Langsam reiten, Cowboy, das ist natürlich nur die halbe Wahrheit. Die drei kleinen Schrauben im Bild verdecken die Nachrüstmöglichkeiten. Für 150.- Euronen gibt es einen Phonoteil für MM und MC als Nachrüstsatz. Für 300.- weitere Euros eine DAC-Einheit mit 2 Coax, 2 Lichtleiter und einem USB-Anschluss. Warum greift also der Bonsaimacho zu der kastrierten Version? Weil manch Streamer einen absolut konkurrenzfähigen DAC mitbringt und es für die Phonofreaks unter uns Phonovorverstärker gibt, die den hier verbauten Anschluss das Fürchten lehren. Dieser Verstärker soll mal in erster Linie das tun, wofür er gebaut wurde - verstärken. Wir werden noch sehen, warum sich dann die Rohbauversion als vorteilhaft erweist.

Apropos sehen. Bonsaimachofans der erstem Stunde werden sich erinnern, dass ich bisher noch nie ein Gerät aufgeschraubt habe, um die Innereien zu zeigen. Ich steh nicht so auf Fleischbeschau. In diesem Fall, hab ich das Ding aber aufgeschraubt, bevor ich es das erste Mal gehört habe. Ich wollte einfach sehen, was mich fast umgehauen hatte.

Zieh dich aus kleine Maus - der Atoll IN 200 von innen:

Atoll IN 200 offen

Klar, was mich fast umgehauen hat? De zwoa Depf (Töpfe, mit leichten Nebenbedeutungen im bayerisch, ländlichen Raum, wo sich schon einige Herren vo de Depf haben umhauen lassen.). So Freunde, so baut man mustergültig klar strukturierte Verstärker. Motor in der Mitte - gut, hätte man gegen die umliegende Elektronik noch ein wenig kapseln können, das ist aber auch die kleine Version der amtlichen Atoll Verstärker. Feinster Doppel-Mono-Aufbau mit 670 Watt Stromaufnahme, die Endstufen sauber auf die Kühlkörper geschraubt und zwar da, wo oben die Lüftungslöcher im Blech sind:

Atoll IN 200 Endstufen

Genug Kondensatorpower (Stromspeicher), wenn mal wer satten Bass hören möchte und, zwecks Wechselstroms (astreiner Genitiv) gerade mal kein Strom zur Verfügung steht:

Atoll IN 200 Kondensatoren

Und dann: De Depf. 2 in Worten zwei, sehr solide Ringkerntrafos, um Widerspenstige zu zähmen - Lautsprecher mein ich:

Atoll IN 200 Ringkerntrafos

Bevor jetzt wer fragt, ob ich "Der Widerspenstigen Zähmung" auch  tatsächlich gelesen habe, schon, ist aber kein akustisches Drama, ergreift mich also nicht. Was es aber ist, eine von Shakespeares Komödien, geht also gut aus. Das gibt uns Hoffnung für das Kommende.

Klangcheck des Atoll IN 200 Signature

Leute, wir sind hier in so ner Art Drama, da gibt´s jetzt keinen Höhepunkt. Ihr müßt erst durch das retardierende Moment, wie wir Dramenkundigen das nennen. Ich schwall Euch also erst mal zu, ehe wir auf des Pudels Kern zu sprechen kommen. Einer meiner liebsten HiFi-Entwickler, Thierry Comte, dessen Atohm Lautsprecher ich ja aus tiefster Überzeugung verticken würde, wenn sie auch nur irgend einen Stellenwert im Markt hätten und man nicht jeden Kunden erst mal dazu hinprügeln müsste, weil sie den einen zu teuer, den Highendern zu billig und allgemein unbekannt sind, Thierry Comte also führt, obwohl er selbst bei Triangle war, hartnäckig, aber sehr überzeugend, mit Atoll Elektronik vor. Das mag damit zusammenhängen, dass er Franzose ist und die Atolls auch aus Frankreich stammen. Ich vermute jedoch, der Mann hat einfach nur Ahnung. Denn, was zeichnet seine Vorführungen aus? Jeder der auf der Highend mal in den Genuss kam, hat sich automatisch als erstes umgesehen, wo genau jetzt denn der zusätzliche Bass platziert sei, dass die Atohms so mächtig klingen. Ich hab nen Verdacht. Im Atoll. Schiebt der Vincent SV 237 MK an, wie ein alter Lanz-Traktor (Eicher für Forsterner und wer as Glump ned kennt, der fahrt an Fe...), langt der Atoll zu, wie der Ernter bei der 30-jährigen Fichte. Kurz, präzise und im Nachhall wächst kein Gras mehr. Das Erste, was beim Atoll IN 200 wirklich auffällt, ist eine Kontrolle im Bassbereich, die manche Endstufe so nicht hinbekommt. Welch Überleitung. Unser Muskelzwerg bietet sich über die "Bypass-Schaltung" rachitischen AV-Receivern und magermilchgestärkten Voll- oder Vorverstärkern als Endstufe an.

Atoll IN 200 Bypass Anschluss

Wirklich nicht ohne Grund. Der nagelt die Instrumente felsenfest in den relativ großen Bühnenraum, da weiß selbst die Hallfahne noch, in welche Richtung sie verschwinden soll. Der behält in komplexen Orchesterpassage voll den Überblick und zeigt vorbildlich, dass Doppel-Mono-Aufbau richtig gemacht, ein extrem klares Stereopanorama ergeben sollte. Wer schreibt eigentlich diese Übergänge?

Klarheit im Klang. Ein weiteres Plus des Atoll. Kraftvoll und klar trifft es eigentlich noch besser. Wir haben ein sehr, sehr solides Bassfundament, das schnell und präzise, aber musikalisch serviert wird und so geht es nach oben weiter. Mitten präzise klar, gut konturiert, nicht nach vorne genommen. Die Höhen extrem sauber, detailreich und absolut ohne zu nerven. Insgesamt ist das für meine Ohren noch kein wirklich warm klingender Verstärker, ich würde ihn als sehr musikalisch, präzise und knackig, sportlich beschreiben. Eine Spaßmaschine ähnlich dem Vincent SV 237 MK ohne dessen Schludrigkeit in der Musikverarbeitung, ohne übertriebene Glanzlichter, für mich klar stärker als der Vincent, weil ehrlicher und ein Stück runder. Den zum Vergleich extra nochmal ausgepackten Cambridge CXA 81 hat er schon ohne Einspielen spontan geschnupft. Der Cambridge ist ähnlich klar, im Hochton 1:1 aber sogar noch ein wenig härter, ja nerviger, kommt im Bass fast hin, hat aber schwierigere Lautsprecher bei weitem nicht so unter Kontrolle, wie der Atoll IN 200 Signature. Bei den Stimmen ist der Cambridge am nähsten dran, stellt die aber etwas weiter in den Vordergrund und verliert bei der Durchhörbarkeit von "technischen Effekten" der Aufnahme. Raumeindruck, Halleffekte und auch die Bühnenabbildung von Chören kann der Atoll IN 200 einfach besser.

Wie schaut´s mit einem Angriff auf den Moon ACE aus? Der geht ins Leere, weil die beiden Verstärker wirklich anders sind. Da wo der Moon feinste Details auffindet und super musikalisch serviert, findet der Atoll fast alle Details, portzt aber sofort mit dem Auffinden, indem er sie glasklar und peppig in die Landschaft nagelt. Das wird dem Detail nicht immer nur gerecht, beim Atoll, und das soll jetzt wirklich ein Kritikpunkt auf allerhöchstem Niveau für diese Preisklasse sein, bleibt nicht jedes Detail Detail sondern wird auch mal überbetont. Das passiert dem Moon nicht. Dafür verbläst ihn der Atoll im Bass dermaßen, dass der Moon sich einen Neumond gönnen müßte, um da auch nur annähernd mithalten zu können. Bei der Boxenkontrolle fehlt ihm öfter mal der Dampf des Atoll. Dafür gibt es bei Moon die größeren Verstärker. Insgesamt hab ich noch keinen Verstärker in dieser Preisklasse kennen gelernt, der so weit von jedem Ansatz von Bassbrei entfernt war, wie der Atoll IN 200 Signature. Da kann der Vincent selbst mit der Tuningsicherung nicht mithalten. Die Lautsprecherkontrolle des Atoll ist gnadenlos. Für einen brutalo Muskelprotz, lässt er aber das Feingeistige nicht wirklich vermissen, ganz starker Auftritt selbst für den Preis der Vollausstattung.

Lautsprecher für den Atoll IN 200

Atoll IN 200 von hinten oben

Erst mal die gute Nachricht, den könnt Ihr an die meisten, selbst großen handelsüblichen Lautsprecher hinhängen, der ist nur schwer ins Schwitzen zu bringen. Selbst den alten Stromsauger Adante AS 61 bringt er gehörig auf Trab. Da ist wenig mit rumzicken, das wird gespielt, was der Atoll will. Den Adantes entlockt er sehr hohe aber nicht nervige Höhen, das kann nicht jeder. An der Vela FS 407 hat er mir noch besser gefallen, weil er einerseits deren im Verhältnis zur Gehäusegröße relative Bassstärke auf´s Präziseste zur Geltung bringt. Da kommen auch Elektro und Technofans auf ihre Kosten, zumal der Bass auffällig konturiert ist. Andererseits den Hochtöner ausreizt, ohne zu übertreiben. Mit den Preis-Leistung überragenden ELAC Carina FS 247.4 war das so eine Sache. Die passen an sich zum Atoll, wie die Faust der Gattin auf´s Auge. Allerdings hat man dann eine super schnelle und damit extrem präzise Klangkombination, die keine Fehler verzeiht. MP 3s Internetradio, ja selbst schlecht abgemischte Aufnahmen aus den 90ern klingen halt, wie schlechte Quellen. Mit High Res Aufnahmen geil, aber wollt Ihr immer diese Highend Gedudel hören? Für mich schon eine Spur zu hart aber nicht wirklich unmusikalisch. Da verhält sich der Moon Neo ACE geschickter. Jetzt mal abgesehen davon, dass es im ersten Moment seltsam wirkt, an einen über 3.000.- Euro Verstärker "nur" 2.000.- Euro Lautsprecher hinzuhängen, lernen wir hier viel über die Kunst des Kompromisses. Wo sich Moon und Carina auf´s Angenehmste gegenseitig ergänzen, um nicht befruchten sagen zu müssen, um exzellenten Klang zu gebären (feinster Hochton vom Moon und geschmeidiger Bass der Carinas), setzt sich unser kleiner Diktator hier mal wieder gnadenlos durch. Diese kurz angebundene Präzision hat absolut was mit Top-Aufnahmen, für mein Hörempfinden liegt die Kombi mit dem Moon in diesem speziellen Fall aber weit vorne. Es gibt manchmal so Zusammenstellungen, wo ein Lautsprecher an genau einem Verstärker einfach noch den Tick zulegt, der das Ganze zu einer Weltklasse Kombi macht. Ich bin schon gespannt auf Tests an den Dynaudios, die ich demnächst ins Programm bekomme und werde auch über die Eignung für weitere ELACs berichten. War mir nur vorerst zu mühsam, die Concentro 507 aus dem Lager herzuschleppen. Auch eine Rodan 9 von Quadral wird noch dran glauben müssen. To be continued. (Dies nur als zarten Hinweis darauf, dass ich meinen Shakespeare natürlich im Original lese.)

Das Quadral Paradox: Bevor ich die Rodan 9  an den Atoll gehängt habe, musste erst die kleine Schwester, die Chromium Style 8 von Quadral dran glauben. Die hat sich als absolut willige Sklavin des herrisch auftretenden Atoll erwiesen. Eine Kombination, in der die Chromium Style 8 deutlich größer und erwachsener klang, als üblich. Testausgang extrem positiv. Ich also voll Freude die Rodan 9 angekabelt. Was da allerdings raus kam, war für mich mehr als erstaunlich. Anscheinend prallen hier zwei Sturköpfe aufeinander. Erbärmlich wenig Bass, tolle Transparenz aber auch in den Mitten immer wieder von beiden Einzelgeräten nicht gekannte Unsauberkeiten. So wie Harry Potters erster Zauberstabtest - ein eindeutiges "Nein". Hier zeigt sich wieder, dass Verstärker-Lautsprecher-Kombinationen der gelungenen Art eben auf Ausprobieren beruhen. Da wo beide Geräte einzeln mit anderen Spielpartnern zu wirklich Großem im Stand sind, zerlegen sie sich hier in nicht erwarteter Weise zu einer nicht empfehlenswerten Kombination.

Was kann der Atoll IN 200 nicht?

Männchen machen. Scherz! Keine Klangregler, nur Balance. So wie er klingt, wäre es aber auch eine Sünde, daran rumzuschrauben und diesen Klang zu verschlimmbessern. Streaming muss von außen kommen, das entspricht aber durchaus einer klaren Linie, halt spezialisierte Geräte für alles zu verwenden. Der Atoll IN 200 kann verstärken und das in der Preisklasse hervorragend. Drum meine ich, dass die Grundversion reichen sollte. Die Einbaumodule sind, was ich bei den Kollegen erfragt habe, absolut ihr Geld wert, aber angesichts des wirklich starken Klangs des Atoll aus meiner Sicht lohnend durch höherwertige Speziallösungen zu ersetzen. Die Fernbedienung funktioniert als Systembedienung für alle Atoll Geräte, ist aber unspektakulär, halt besser, als Aufstehen und Umschalten. Wer allerdings durch das viele Bier im Homeoffice fett zu werden droht, kann sich die auch verstecken lassen und trotzdem aufstehen.

Kleine Anekdote noch zur Milchkanne auf dem Tisch. Da sind an sich Sonnenblumen zur Deko drin, weil meine Frau sagt, Deko sei wichtig. Hat meine Kamera, wahrscheinlich ein Männchen, hat nämlich so ein dickes langes Objektiv (Das wollten wir doch lassen!) aber anders gesehen und immer auf die Sonneblumen scharf gestellt, was ich wiederum nicht gemerkt hab, weil ich weder meine Fotos anschau, noch meine Artikel lese. Also denkt Euch bitte vier Sonnenblumen dazu, dann muss ich nicht nochmal fotografieren.

Ein schöner Ausblick - was uns natürlich zu weiteren sonnigen Ausblicken bringt, nämlich:

Den Atoll IN 200 Signature beim Bonsaimacho kaufen

Könnt Ihr ruhig mal Probe hören kommen, meinen Aussteller gibt es, wie immer, günstig und ein neuer kann natürlich auch besorgt werden.

Ihr fragt Euch natürlich, kann man wem trauen, der seine Geräte selber testet? Ich sage - schlimm, wenn das jemand nicht macht. Schließlich gibt es ja 14 Tage Rückgaberecht, da lohnt sich Lügen nicht. Außerdem gilt hier die Philosophie des faulsten Händlers Deutschlands, dass sich meine Geräte selber verkaufen müssen.


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