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Bonsaimachos

Werbung (Anmerkung, siehe unten im Text)

Moon Neo ACE Test

Da kommst du nichtsahnend in deinen Garten und was siehst du? Freilaufende HiFi-Schätzchen aus kanadischen Edelschmieden:

Moon ACE Neo in freier Wildbahn

Schaut amal nach smartem Understatement der Kanadier aus - isses auch. ACE (vergesst die Vitaminjokes) heißt "A complete experience", zu Deutsch: Alles drin, tutto completto, Boxen ran und fertig. So schaut heutzutage eine HiFi Anlage aus. Das hatten wir ja schon beim Gato Audio DIA 250S NPM. Der Moon ist keine 10 cm hoch, macht aber große Sprünge.

Moon Neo ACE Anschlussfelder rechts hinten

Nur mal so zum Überlegen: Da steht hinten 350 Watt bei der Gesamtstromaufnahme am Typenschild. DIe Kanadier geben 2 x 85 Watt bei 4 Ohm als Leistung an und haben einen echt amtlichen 250 Watt Ringkerntrafo verbaut. Ich kenn Plastikhifi, da steht vorne groß 2.000 Watt drauf und am Typenschild 190 Watt Stromaufnahme. Da sag ich nur - so nie. (Witz für Eingeweide) Wir können also zu Recht davon ausgehen, dass diese 85 Watt eher gehaltvoll sind. Zudem schleicht sich von links her ein Ethernetanschluss in´s Bild, was vermuten lässt, dass der Moon NEO ACE auch streamen kann. Das lässt die klassische Hochpegelvariante, sozusagen den modernen Amp vermuten. Aber weit gefehlt, da ist auch ein, um´s vorweg zu nehmen, superber Phonoanschluss für MM-Systeme dran.

Moon Neo ACE Anschlussfelder

Leute, da geht was. Das Ltd im Firmennamen ist ein Scherz, oder so.

Was kann der Moon Neo ACE?

HiFi Unlimited. Das ist so eine eierlegende Wollmilchsau mit sehr eigenem Charakter. Da ist zunächst mal der Verstärkerteil, dessen Auflösungsvermögen und Detailreichtum sich hinter dem bereits hier getesteten großen Bruder Moon 340i nicht verstecken muss. 85 Watt klingt nach Magermilchkrüppel, die auf bis zu 160 Watt ausgelegten Adante AS 61 von ELAC hat er bei mir aber lässig unter Kontrolle gehabt, obwohl die ganz gut Strom ziehen. Ich glaube, der neue Vertrieb von Dynaudio ruft 3.200.- Euro für das Kasterl auf, das wirkt erst mal recht sportlich, in der Klasse spielt er aber klanglich allemal mit und das nicht ganz unten. So viel sei schon mal verraten. Dann steckt da ein Streamer drin, der sowohl mit der Moon eigenen Mind-App als auch mit der extrem beliebten Roon Software zusammenarbeitet (als Endpoint, nicht als Core). Der Streamer hat seinen Namen auch verdient, der zapft nicht nur Ihre NAS an sondern protzt auch noch mit mehreren Internetradios und einer tadellosen Tidalanbindung (inkl. MQA). Von den traurigen MP 3 - Streamingdiensten hält er nichts. Die würde ich in dieser Preisklasse mal nicht so empfehlen, der Badewannensound  (tiefe Bässe, zu hohe Höhen, keine Dynamik und dazwischen in den Mitten kein Wasser) wird an solchen Amps dann doch ohrenfällig. Folgerichtig setzt der ACE Neo noch auf Qobuz und Deezer Hi-Fi.

Last but not least ist die Phonovorverstärkung auch in dieser Preisklasse erstaunlich gut für einen Vollverstärker. Das muss man für uns alte Herren mal positiv hervorheben, setzen viele Hersteller doch bei Streamingverstärkern voll auf Streamingdienste, die bei uns Deutschen mit dem "Haben-und-besitzen-will-Reflex" in der Praxis nur mäßig angenommen werden. Die Frage: "Was ist denn mit meinen alten CDs und Platten?" Wird zu oft mit einem lässigen "Brauchste nicht!" beantwortet und dann fehlt im Streamingdienst dieser eine Titel. Ihr wisst wovon ich spreche? Da kann er sich brausen gehen der Streamingdienst, wenn er diesen einen Titel nicht hat, taugt er nichts, da nutzen ihm die Millionen anderen gar nichts. So sieht´s aus! Drum ist es gut, Anschlüsse für Platten- und, den seh ich jetzt auch als Auslaufmodell, CD-Spieler zu haben. Da ist der Moon Neo ACE tadellos.

Moon Neo ACE von hinten

Wie schlägt sich der Moon ACE Neo in der Praxis?

Die hauseigene Mind App war mir altem Sack in gewöhnungsbedürftiger Weise zu fortschrittlich. Da wird voll auf Playlisten gesetzt. Mein antiker Ansatz, mal einen Titel zu spielen und dann zu schauen, was mir dazu als geeigneter Nachfolger in den Sinn kommt, ist zwar realisierbar, aber zäh. Die Mind App zwingt dich, Playlisten zusammenzustellen und speichert auch alles Gespielte, um es dir wieder und wieder zu servieren. War ich nicht 100-prozentig glücklich mit, geht aber. Meiner Tochter ist das nicht mal aufgefallen, die kennt eh nur Playlists. Die Einrichtung und die Netzwerkanbindung ist an sich logisch und einfach zu realisieren. Die Tidal Anbindung bei weitem nicht so traurig, wie bei Musiccast. Auch das WiFi-Setup, das ich zwar nicht empfehlen kann (wegen des geringeren Datendurchsatzes und geringerer Stabilität) aber ausprobiert habe, war problemlos und lief stabil (bei guten Empfangsbedingungen in meinem Haus).

Kommen wir zu einem Thema, das den Herstellern zunehmend Probleme bereitet, der Bluetoothanbindung. Irgend ein Dödel schafft es immer wieder, ein an sich stabiles und gutes System so lange zu optimieren, bis es gefühlt 246 verschiedene Standards gibt, die zwar für sich jeder sensationelle Vorteile bieten, der Kompatibilität (dass es halt mitaranand funktioniert) aber in keinster Weise förderlich sind. Bluetooth steht da inzwischen sauber am Scheideweg. Bevor wir jetzt auf dem Umweg auch noch landen, zurück zu dem, was ich eigentlich sagen wollte - ja, der Moon hat auch einen Bluetoothempfänger (Qualcom aptX), falls Gäste Ihren Hörgang mal mit selbstgebrannten MP 3 Spezereien quälen möchten, der zeigte aber interessante Reichweitenspäße. Sohnemann musste sein sehr modernes Handy auf 3-4 Meter ranlegen, um unterbrechungsfreien Empfang zu haben. Die väterliche Handgurke konnte hingegen Bluetooth-übliche Entfernungen von ca. 10 Metern ohne Aussetzer überwinden. Was an sich sinnlos ist, weil ich so eh nicht zuspielen würde. Bleibt aber festzustellen, Bluetooth ist inzwischen nicht mehr gleich Bluetooth, da mag es Probleme geben. Der Sohn möchte mit dem Hinweis: " Schreib, dass der Bluetoothempfang scheiße ist!" zitiert werden.

Erwähnen möchte ich noch den USB-Anschluss für einen PC. Damit wird Ihr Rechner zur Höllenmaschine, was den Sound angeht. Das ideale Einfallstor für wirklich hohe Auflösungen. Nur über diesen Eingang können Sie die sensationell abgestimmte Digitalsektion des Moon voll ausreizen (PCM bis 32 Bit / 384 kHz inkl. DXD und DSD 64 - 256).

Alles andere am Moon war an sich leicht verständlich und übersichtlich. Zudem sollte man sich langsam dran gewöhnen, dass so ein softwarebasiertes HiFi-Teil ein Prozess ist, also jederzeit über Updates neue Funktionen und Features bekommen kann, so lange die keine Hardewareeinbauten erfordern. Die Entwickler haben auch für exotischere Funktionen mitgedacht. Selbstverständlich sind die Eingänge so anpassbar, dass alle Quellen gleich laut ans Ohr serviert werden. Die meisten Eingänge sind aber auch beliebig benennbar. Alle können bei Nichtgebrauch deaktiviert werden, was das Weiterschalten mit der Fernbedienung erheblich beschleunigt und die Analogeingänge können quasi auf Durchzug gestellt werden, das heißt, die Lautstärkesteuerung erfolgt nicht über den Moon sondern z.B. einen AV-Receiver, dem der Moon z.B. als Klangverbesserer für die Frontkanäle dient. Kopfhörerbuchse (6,3er Klinke) ist übrigens auch dran, das vorne daneben ist ein 3,5 mm Klinkenanschluss für Smartphones, MP 3 Player und ähnliches Gesocks.

Zur Technik im Moon Neo ACE

Moon Neo ACE Trafo

Lassen wir weg. Ist ein klassischer A/B-Verstärker, die Bauteile sind durch die Bank vom Feinsten, das Chassis stabil, der Wandler leicht auf der Höhe der Zeit und der Phonoanschluss überdurchschnittlich. Wir kommen nämlich gleich zur Paradedisziplin des Moon ACE, dem Klang.

Wie klingt der Moon NEO?

Zunächst fällt mal die, typisch amerikanisch, sehr große Bühne auf. Sie werden erstaunt sein, wie viel größer Ihr Wohnzimmer klingt als gewohnt. Die Bühne legt an Breite und Tiefe mächtig zu, die Instrumente sind klar zuordenbar und haben ihren festen Platz. Der Gesang wird nicht unnötig in den Vordergrund gedrängt oder zurückgenommen. Von der Grundtendenz her mal alles sehr neutral. Richtig, richtig schön ist die Feinzeichnung, die Luftigkeit, der Detailreichtum der Musik. Da ist der Moon mal ganz, ganz und noch gänzer weit vorne. So viele Details rauszuarbeiten, ohne zu nerven, entwickelt sich mehr und mehr zur Spezialität der Kanadier von Simaudio. Höchste Höhen ohne Kreischen, Klirren, Zischen und zarte Tinnitusanfälle hinzukriegen, ist schon die ganz hohe Schule des HiFI.

Stimmen kommen super natürlich rüber und auch die Frage, ob das jetzt ein Piano oder ein Konzertflügel ist, wird vom Moon allerdeutlichst beantwortet. So ganz ohne Vergleich würde man auch dem Bass ganz guten Druck und vor allem Punch, also hoch präzises, dynamisches Timing bescheinigen. Allein, der Bonsaimacho ist von seinem Vincent vor- und von der ELAC Alchemy Kombi nachgeschädigt worden, wo es im Bass schon auch hingehen kann. Im direkten Vergleich fehlt es dem Moon, was keine echte Kritik sein soll, weil er in sich absolut stimmig klingt, am tiefen Tiefbass. Der hört grob gesagt im mitteltiefen Bassbereich einfach auf. So ne Art Nichtschwimmer im Tief- und Tiefstbass.

Wie krieg ich jetzt wieder die Kurve, warum das Teil absolut empfehlenswert ist, auch wenn er nicht die tiefsten Register bedient? Erstens, weil alles, was er oberhalb der tiefsten Tiefen bringt, in der Preisklasse zum Allerfeinsten gehört, was Sie und ich je gehört haben. Zweitens, weil er durchaus Bass serviert und zwar druckvoll und voll auf den Punkt. Das ist so ein wenig wieder mein Lieblingsthema mit dem Timing in der Musik. Das stimmt hier weit mehr als bei vielen Wettbewerbern. An den Moon 340 i mit voller Ausstattung kommt er, wegen des dort solideren Bassbereichs nicht hin, der ist aber auch erheblich teurer. Den Vincent 237 mk schlägt er locker, auch wenn der deutlich sportlicher anschiebt, weil die kleinen Details in einem großen Orchester ungefähr 100:1 für den Moon ausgehen. Die ebenfalls deutlich teurere ELAC Kombi packt er knapp nicht, weil die ihm in den Details ebenbürtig ist und auf weitgehend ähnlichen aber kraftvolleren Klang und gleiche aber auch kleinere Bühnengröße anpassbar ist, ohne den Basskeller zu vernachlässigen. Der Gato Audio kann auch mit leistungshungrigeren Lautsprechern und spielt in der Summe der Eigenschaften ziemlich genau auf dem Niveau des Moon mit Vorteilen im Basskeller und Nachteilen in der Feinauflösung. Der Moon ist ein Gerät zum Probehören, mit einem sehr eigenen Charakter. Klanglich im besten Sinne außergewöhnlich. Da steckt schon deutlich der Touch mehr drin, der High End von solidem HiFi unterscheidet.

Das naheliegende Experiment mit dem Moon Neo ACE

So hat´s angefangen (im Vergleich)

Moon Neo ACE mit ELAC Alchemy Vor-Endstufe

und so ist es logisch:

Moon ACE Neo mit ELAC Alchemy Endstufe

Ich glaub ja eh, dass so das Schicksal der ELAC Alchemy Endstufe aussehen wird. Die endet als super dezenter Bizeps für AV-Receiver, an sich gute Vollverstärker und als Doppelmono bei den anspruchsvollen Großlautsprechern und wird ein Bestseller wegen der Höhe. Um´s gleich wenig spannend zu machen - die gibt genau den Bums, unten rum (das klingt wieder) der den Moon ACE in die absolute Topliga aufsteigen lässt. Da kann er plötzlich Tiefbass, nervt immer noch nicht und behält seine sensationelle Auflösung bei. So macht´s richtig Spaß, weil beide Geräte schnell und präzise sind. Die ergänzen sich, ohne einander zu schaden. Als Kombi durchaus eine Überlegung wert, allerdings ist der Moon teurer als die ELAC Alchemy Vorstufe, die ebenfalls einen Roon Endpoint eingebaut hat und klanglich mithalten kann.

Fazit zum Moon Neo ACE

Wer braucht den? Der HiFi Kenner und der HiFi Gourmet sollten ihn, zumindest für die Zweitanlage mit kleineren Lautsprechern unbedingt in die engere Wahl nehmen. Der ist wirklich ein Hörerlebnis leicht abseits der eingetretenen HiFi Pfade. Tolkien würde hier von Elfenpfaden sprechen. Gerade noch mit der Menschenwelt verbunden aber schon deutlich darüber hinaus in höhere Sphären verweisend. Der behält im Musikgeschehen immer den Durchblick und findet noch Kleinigkeiten und Nebengeräusche, die sonst nur die besseren Kopfhörer offenbaren. Ganz, ganz großes Hören (Kino wäre an dieser Stelle falsch gewesen, ist ja keine AV-Komponente.) Ich find ihn auch schick:

Moon ACE Neo von vorne

Wobei man anmerken sollte, dass das typische Moon Design silberne Bäckchen hat, was dem Bonsaimacho natürlich zu Tütü ist. Gemeint sind die leicht gewölbten Seitenteile links und recht der Aluplatte. Puristisch betrieben, nur mit Strom-, Ethernet- und Lautsprecherkabeln, macht der mit zwei feschen Regallautsprechern á la Vela BS 403 oder den Adante AS 61, die ihm ob ihrer Schnelligkeit vielleicht sogar noch einen Tick mehr entgegenkommen, brutal was her. Alles am Moon Neo ACE hat einen deutlich highendigen Touch. Der Streamer, der Phonoteil, der Verstärker. Nur der Bluetoothempfänger schwächelt laut Sohnemann - Handysache, will ich meinen. Insgesamt richtig viel Gegenwert für richtig viel Geld, so muss es sein.

So Freunde, in unserem Alter ist schon die Anschaffung einer Langspielplatte Optimismus, also, keine Zeit verlieren, ran an´s Telefon und den Bonsaimacho kontaktieren. Der verballert sein Testgerät wirklich günstig und steht auch sonst mit Rat und Tat zur Seite, wenn Sie den

Moon Neo ACE unbedingt beim Bonsaimacho kaufen möchten

Anmerkung für alle die, die das Spiel mit der Werbung noch nicht kennen - schreib ich nur zur Sicherheit oben drauf. Ich vertick die Teile gar nicht selber, damit ich möglichst neutral beraten kann und Sie Herstellergarantie haben. Mir wäre es aber trotzdem Recht, wenn Sie das Teil über mich ordern, dann zahlt der Verkäufer zumindest in Deutschland Steuern und es kommt den Guten, denen die auch beraten, zu Gute. Das ist auch nicht teurer als sonst im Internethandel, wir wirken nur dämlich.


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