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Bonsaimachos

Werbung (Anmerkung siehe unten im Text)

 

Dynaudio Evoke 30 Test

Wir Bonsaimachos kennen ihn alle, den Spruch, wenn man sich an eine Dame wagt, die einem weit überlegen ist: "Der Hos hat ned dei Greß!" (Der Hase hat nicht deine Größe!) Sagt man, wenn die Sache sicher schief geht, weil man in maßloser Selbstüberschätzung wieder eine Hochintellektuelle, eine Dame mit mehr Interesse an anderen Damen als gerade an Bonsaimachos etc. angebaggert hat. Manchmal ist der Start einfach schlecht. So geschehen mit dem ersten Hörtest der Dynaudio Evoke 30. Mein Spezl Ingo aus Berlin war gerade zu Besuch. Dem wollte ich natürlich was Anständiges bieten und hab ihm eine ELAC Concentro 507 S an einem Hegel H 190 vorgespielt. Nicht ganz zufällig eine der wirklich, wirklich geilen Kombinationen auf diesem Planeten. Da muss sich manch deutlich teurere Anlage anstrengen und verliert doch in den meisten Disziplinen und dann, ja dann stand da diese frisch gelieferte Dynaudio Evoke 30. Ein 3.200.- Euro Paarpreis Böxchen im Schrumpfformat. Die musste natürlich ausprobiert werden und hat in allen Disziplinen satt verloren. Wär ja auch schade, wenn ein 11.000.- Euro pro Paar Lautsprecher nicht mehr könnte. Doch damit fing das Elend erst an. Weist doch mal einem Dynaudio Lautsprecher nach, dass er Fehler macht. Der Großhase konnte alles besser, das heißt aber nicht, dass der Zwerghase was falsch gemacht hätte. Also von vorne:

Dynaudio Evoke 30 gesamt

Die Dynaudio Evoke 30 am Hegel H 190

Wahr zu wahr gesellt sich gerne. Hegel ist ja nicht umsonst für seine Sound Engine (hier in der 2. Entwicklungsstufe verbaut) berühmt. Die geben sich wirklich viel Mühe, nur das Originalsignal ohne störende Einstreuungen zu verstärken und das gelingt ihnen, ohne Übertreibung, sensationell und überragend gut. Dynaudio hingegen kommt, zumindest werbetechnisch, gegen die alten Bücher der Wahrheit nur sehr zäh in Fahrt. Der neue Katalog ist in seiner, sich permanent wiederholenden Beschreibung von Technik, die eh keiner versteht und die eigentlich immer als so ziemlich gleich gut beschrieben wird, nur unterschiedlich viel kostet, um so viele Seiten zu lang, wie er hat. Unlesbar. Wird Zeit, dass der Bonsaimacho da mal Klarheit rein bringt. Die zwei passen jedenfalls gut zusammen, wobei der 3.500.- Euro Hegel an sich eine bis zwei Klassen zu hoch gegriffen ist, mit seinen 2 x 250 Watt an 4 Ohm aber sauber für Ordnung im Klang sorgt.

Die Dynaudio Evoke 30 steht wo im Programm?

Die Evoke 30 steht in der Hierarchie der Wahrheit bei Dynaudio kurz oberhalb der Hartz-4-Klasse (Emit), ist aber eine komplette Neuentwicklung und hat den Charme, dass sie nicht mehr ganz so viel Strom braucht, um zu klingen, wie die alten Dynaudios. Was jetzt im Rückschluss nicht heißt, dass ihr mit der Evoke 30 schon mit Euren günstigen Denons, Onkyos und Marantzens dieser Welt Spaß haben könnt. A weng an Strom braucht die schon noch, um zu Form aufzulaufen. Dazu kommen wir noch.

Seit dem amerikanischen Donald wissen wir ja, dass Wahrheit sehr relativ sein kann. Insofern ist die Verarbeitung der Evoke 30 für die 3.200.- Euro - Klasse superb - also nicht Skoda, was ja "schade" heißt, sondern richtig, richtig gut. Das fängt bei der doppelten Verpackung an, die selbst bei grobmotorischeren Lieferdiensten ein einigermaßen intaktes Eintreffen erwarten lässt. Auch die Polsterung und der extra abgedeckte Hochtöner ist edel in der Anmutung (fesch ausgedrückt , gell?) und funktional tadellos. Es gibt Ausleger, die die Gummifüßchen zum Schonen des Parketts bereits integriert haben, aber auch martialische (wichtig) Spikes, die geil aussehen und Eure Füße perfekt perforieren (zünftig lochen). Der Lack in der weißen Version ist besser als bei den aller-, allermeisten Herstellern und die Chassis der Evoke in Dänemark hausgemacht. Heutzutage eine Seltenheit.

Dynaudio Evoke 30 Lack

Nur an der Höhe haben sie ein wenig gespart. Wirkt aber durchdacht und edel. Einzig die Bi-wiring und Bi-amping Freaks kriegen schon wieder graue Haare, weil da nur ein single-wire-Terminal dran ist, was wiederum dem Hegel wurscht ist, weil da auch nur Anschlüsse für ein Lautsprecherpaar dran sind. Schauen wir mal, ob die zwei Singles was zustande bringen.

Der Klang der Dynaudio Evoke 30

Was zuerst auffällt sind die sehr präsenten Stimmen und ein sauberer Bumms im Bass, den man in so einem kleinen Gehäuse eher nicht vermutet hätte. Der Hochton fiel im ersten Höreindruck  out-of-the-box und gegen die dort höchstklassige Concentro S 507 mal sauber ab. Also die Kiste mal nen Tag laufen lassen und dann wieder getestet. Da hat sich, meines Erachtens gar nicht viel verändert, darfst halt nur nicht vorher solche Boliden hören. Jedenfalls erscheint der Hochtonbereich absolut ausgewogen, wenn man die Evoke 30 alleine hört. Auffällig ist die Schnelligkeit, die Detailfreude und die Präzision der Klangabbildung dieses Lautsprechers. Für die Preisklasse ist auch die Dynamik und die Raumabbildung vorbildlichst und wirklich nah an der "Wahrheit", ändert sie sich doch massiv mit den Aufnahmen. Der Klang klebt überhaupt nicht am Lautsprecher, es wird aber auch keine auffällig große Bühne aufgezogen, wie etwa bei einer preisgünstigeren ELAC Debut Reference DFR 52, die damit Eindruck schindet. Die Bühne orientiert sich hoch exakt an der Aufnahme und lässt sogar Effekte nach vorne, das heißt vor die Linie, auf der die Lautsprecher stehen zu. Das ist insofern erwähnenswert, als es viele Lautsprecher gibt, die den Raum nur in die Tiefe, also hinter die Standlinie öffnen.

Dynaudio Evoke 30 Chassis

Ohne sichtbare Schrauben befestigt.

Was macht die Evoke 30 falsch? Je länger ich dran rumgespielt  habe, um so weniger habe ich gefunden. Die Klarheit des Klangs ist tatsächlich beeindruckend, Details, kleine Instrumente, Nebengeräusche werden höchst exakt wiedergegeben. Und der Hochton? Auch im Vergleich zu deutlich spektakuläreren Boxen ist da immer alles da. Es wird nur nicht in den Vordergrund gerückt, bleibt immer geschmeidig und sanft, trotzdem präzise. Ein ganz schwieriger Spagat. Ich bin immer noch nicht sicher, ob die Evoke 30 eher warm klingt oder nur nicht nervt. Ich tendiere zu zweiterem.

Dynaudio Evoke 30 Hochtoener

Stimmen mit Hall haben genau die richtigen Atemgeräusche, anders als bei  mancher T+A-Box, sind die Stimmen, trotz ihrer auffälligen Präsenz aber nicht der Hauptakt im Musikgeschehen. Wenn Bass auf der Aufnahme ist, kommt er auch über die Evokes und das erstaunlich kräftig und präsent. Irgendwie ist das Verhältnis zwischen Höhen, Mitten und Bass dann doch ausgewogen. Wäre doch der Donald nur annähernd so nah an der Wahrheit.

Wir dürfen aber nicht vergessen, dass der Hegel als gelernter Sklaventreiber mit seiner gnadenlosen Power und Präzision es der Evoke 30 leicht macht, mit der Wahrheit zu glänzen, der steht für mich ganz oben in der Riege der neutral, kräftigen und dabei musikalischen Verstärker. So lasset uns denn simplere Gemüter an die Evoke 30 anstöpseln.

Die Evoke 30 von Dynaudio an einem Cambridge Audio CXA 81

Haben wir am Hegel H 190 festgestellt, dass die Dynaudio keine Fehler macht, prüfen wir am Cambridge CXA 81 mal, wie viel Spaß ein Streber macht. Um es gleich mal festzuhalten, der Streber hier versteht Spaß und macht auch welchen. Man hört sofort, den einfacheren Verstärker, trotzdem klingt die Evoke 30 wieder sensationell klar von oben bis unten mit einer ganz geringen Tendenz, Stimmen ein ganz winziges Bisschen in den Vordergrund zu schieben, was mir schon am Hegel aufgefallen war. Beim fröhlichen Hopping durchs Musikmaterial entpuppt sie sich als erstaunlich peppige Livebox. Live-Aufnahmen erhalten neben einer sensationellen Räumlichkeit den bei "ausgewogen" abgestimmten Lautsprechern oft schmerzlich vermissten Kick, dieses hoch präzise Timing in der Musik, das den Spaß vermittelt, obwohl man hört, dass die hinteren Reihen den Ton später hören und entsprechend schleppend nachhängen beim Mitsingen.

Dynaudio Evoke 30 Basschassis

Also zum Spaß mal das Supra Sword Excalibur Lautsprecherkabel zum Einsatz gebracht, was eher praxisfremd, weil halb so teuer, wie die Lautsprecher ist. Da schaugst mit die Aug´n, weilst mit die Ohr´n nix sigst. Ein klarer Satz nach vorne. Da entfaltet die Evoke 30 plötzlich Monitorqualitäten in der Präzision der Wiedergabe und trotzdem hat der Spaß kein Loch.

Dynaudio Evoke 30 an Supra Sword Excalibur

Das ist und bleibt alles sehr dynamisch, fetzig und der Bass, der da rauskommt, überrascht mich immer wieder.  Insgesamt ein ganz harter Anschlag auf z.B. eine Vela FS 407, die ich zu Testzwecken mal mit zugezogen habe. Die ist, wenn man nicht in Bonsaimachopreisen denkt, mit einer UVP von 3.980.- Euro noch einen Tick teurer. Der Vergleich ist schwierig, denn die beiden Kontrahenden sind schon sehr unterschiedlich abgestimmt. Hier die hoch seriöse, um Korrektheit bemühte Evoke 30, dort die Glamourbox mit den hypergeilen Höhen und den noch abgrundtieferen Bässen aus einem etwas größeren Gehäuse, die auch sehr klar daherkommt. Die haben beide was für sich, der Abstand ist, für die ELAC erschreckend, gering. Das müsst Ihr hören und selbst entscheiden, das ist jenseits meiner Testerqualitäten. Ein wenig so, wie das Urteil des Paris. Der hat sich ja bekanntlich unvorsichtigerweise zu einer Wahl zwischen zwei Göttinnen hinreißen lassen, mit, sagen wir mal negativen Auswirkungen auf seine Life-Life-Balance (jedenfalls wird nirgends berichtet, dass er gearbeitet habe). Seitdem nennen der Klassiker kundige Eltern ihren grenzdebilen Nachwuchs gerne mal Paris, Paris Hilton z.B. Von mir jedenfalls ein klares Patt, was ob des geringeren Preises (da war er wieder, dieser sensationelle Genitiv) ein Lob für die Evoke ist.

Praxistauglichkeit der Dynaudio Evoke 30

Monitorqualitäten? Hör ich da die "Shit-in - Shit-out - Fraktion leise lachen? Tatsächlich merkt man die schlechtere Zuspielqualität bei MP 3 und Internetradio durchaus, insbesondere am Dynamikverlust und den überbetonten Bässen. Wie gut die Dynaudio aber tatsächlich abgestimmt ist, zeigt diese leichte Gnade, die sie mäßigem Musikmaterial erweist. Internetradio bleibt damit definitiv hörbar. Übrigens auch eine Qualität der Vela FS 407. Interessant, wie sich Dynaudio die Wahrheit da zurechtbiegt.

Was heißt das für die Anwendung? Für mich ist die Evoke 30 eine sehr feine Lösung für Leute, die mit der Zeit immer aggressiver auf schrille Hochtöne reagieren. Da klingelt sicher nichts in den Ohren, die bleibt immer seidig, sanft aber präzise auf stabilem Bassfundament. Sicher ein erwägenswerter Lautsprecher für Leute mit hochtonaggressiven Verstärkern (da hat jetzt nicht gerade wer "Pioneer" gemurmelt?). Ein A 70 von Pioneer oder auch die großen Yamahas ab dem A-S 1200 wären aus den Programmen der großen Hersteller am Markt sicher eine gute Ergänzung.

Noch kleinere Verstärker. Leidls tut Euch das nicht an. Ein Cambridge Audio CXA 61 kommt mit der Evoke 30 schon auch noch zurecht, weil er ein 600 Watt Netzteil hat, die Evoke 30 ist aber ein Lautsprecher, der schon die wenigen PS mehr des CXA 81 (750 Watt Netzteil) zu würdigen weiß und an noch teureren Boliden zu echter Größe aufläuft. Ein Moon ACE oder eben ein Hegel (da geht selbst der H 90 schon) mit seinem fast zwanghaften Drang zur Lautsprecherkontrolle stehen der Dynaudio weit besser zu Gesicht. Die ist wohnraumfreundlich und für die Größe erstaunlich. Es kommt halt auf die Technik an :-) Ich hoffe doch, dass jetzt gerade alle Anhänger der Bonsaimachobewegung gegrinst haben, wir können schließlich alle gelassen Kleinwagen fahren weil, ne, das erläuter ich hier nicht.

Aufstellung der Evoke 30

Im Prinzip ganz einfach, weil sie Euch sagt, was Sache ist. Abstand zur Rückwand: Fangt mal bei 25 cm an (das entspricht etwa einer halben...) und zieht den Lautsprecher langsam von der Rückwand weg, bis nichts mehr dröhnt. Da landet Ihr relativ leicht bei echten 40 bis 50 Zentimetern, darunter wird der Bass schon fast ein wenig fett. Dann geht es ans Einwinkeln, was in diesem speziellen Fall auch ganz einfach ist. So lange euch Hochton fehlt, weiter auf den Hörplatz hin eindrehen, wer einmal komplett rum ist mit der Evoke und immer noch zu wenig Hochton hatte, greife zur Vela FS 407. An sich ist die Sache eindeutig, da kann man nicht viel falsch machen.

Einordnung der Evoke 30 im Vergleich zu den Mitbewerbern

In Hasen ausgedrückt, möchte sich die Evoke 30 sowohl von der Verarbeitung als auch vom Klang her deutlich von den Wettbewerbern in der Preisklasse absetzen, was ihr aus meiner Sicht auch gelingt, und ihnen zurufen: "I hob ned dei Greß!" was jetzt auch optisch stimmt.

Dynaudio Evoke 30 von hinten

Der eher zufällige Vergleich mit der Concentro 507 von ELAC lässt mich für weitere Dynaudiotests gespannt zurück, wie denn die größere, die große und die ganz große Wahrheit bei Dynaudio aussieht. Es gibt noch 3 Modellreihen an passiven Lautsprechern (davon eine sehr kurze) über der Evoke. Hier erst mal 5 von 5 Hasen an die Evoke 30. Botschaft: Anhören!

Hatte ich erwähnt, dass ich intelligente Lösungen aus der Praxis für die Praxis schon immer zusätzlich honoriert habe?

Dynaudio Evoke 30 gummierte Spikeaufnahmen

Und im Detail:

Dynaudio Evoke 30 Lautsprecherfuss

Nie ohne Gummi! Gesehen? Das sind Gummifüße, mit denen man sein Parkett schonen kann. Zudem dienen sie als Aufnahme für die Spikes, wenn einem das Parkett egal und nur der Klang wichtig ist. Das nenn ich mitgedacht. Dafür einen extra Zwerghasen in der Wertung.

Weil man in den Artikeln vom Bonsaimacho auch immer noch was lernt, hier eine kleine Hasen-Warnung vor Gegenden in Bayern, in denen es dialektal tatsächlich ein wenig schwierig werden könnte, sich zu verständigen: Ich hab mal Jemanden kennen gelernt, der so tief in der bayerischen Pampa gewohnt hat, dass er auf die Frage: "Wo kummscht na du her?" (Nur so hat er die Frage nach seinem Heimatort verstanden.) Gerne geantwortet hat: "Vo do wo(u) d´Hasen Husen hasen!" Wenn Ihr da mal landet, viel Glück und schönen Gruß an den Grilli.

Das absolute Highlight:

Die Dynaudio Evoke 30 beim Bonsaimacho kaufen.

Warum? Weil Euch bei mir der Lautsprecher selber unter fairen Bedingungen (Wohnraum, kein klangoptimiertes Studio) berät. Außerdem erzähl ich Euch keinen Scheiß über Verstärker, wie "Der packt das schon." sondern schick Euch einen gescheiten Verstärker erwerben, ehe ich Euch die Evoke 30 überhaupt verkaufe, wenn Eure alte Möhre eh keinen Spaß an der Dynaudio macht. Ganz im alten Dynaudio Sinne - Die Wahrheit und der Spaß zählt, keine Rücksicht auf den Geldbeutel. Wobei sich über Bonsaimachopreise eh noch keiner beschwert hat. Da müsst Ihr nicht mal verhandeln.

Zum Thema Werbung: Wie sprach Dynaudio früher? "Viele Lautsprecher fassen nicht mal ihre Hersteller an." um mit ihrer Handfertigung zu protzen. So lasset mich denn protzen mit dem Ausspruch: "Manche Lautsprecher probieren nicht mal deren Händler aus - bei mir ist das anders!" Entsprechend kann ich euch auch was dazu sagen. Und was noch besser ist, ich kann´s Euch auch vorführen. Ich bin nämlich seit neuestem offizieller Dynaudio Händler. So jauchzet und frohlocket (auch so eine aussterbende Tätigkeit).


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